Presse-Erscheinungen

Pferdesport Journal 10/15 

Spiegel als Kommunikationsform für Menschen mit
unterschiedlichsten Handikaps.


Mit Hilfe von Spiegeln kann sich der Reiter selbst sehen, selbst erkennen.
Für Menschen mit autistischen Zügen ist dies nicht immer eine leichte
Aufgabe.

Der Spiegel kann einiges bewirken:
– Die gespiegelte Optik beim Vorbeireiten führt zum „über Kreuz
denken“.

– Er reflektiert die eigene Bewegung, das bewegt werden, die Mimik
uvm. .

So folgt eine automatische Drehung der Wirbelsäule durch Drehen des
Kopfes beim Vorbeireiten und in den Spiegel schauend. Und die
dreidimensionale Rückenbewegung des Pferdes führt zu einer speziellen
physiotherapeutischen Maßnahme.
Der Reiter kann sich beim Vorbeireiten auch bei Kurzsichtigkeit oder
eingeschränktem Blickfeld sehen. Das Selbstbewußtsein wird gestärkt.
Auch kann der Reiter mit Hilfe des Spiegelbildes von aussen leichter
aufgemuntert oder motiviert werden. Emotionen werden verstärkt, ich-
Beobachtung erhöht und kognitives Verhalten günstig beeinflußt.

So funktioniert dies:
Beim Reiten kommt es zur direkten Wechselwirkung von Wahrnehmung
und Motorik, der sog. Sensomotorik. Und diese gilt als Grundlage jedes
kognitiven, sozialen und emotionalen Lernens D. h.: Die Sinnesorgane
verarbeiten die Eindrücke im Zentralen Nervensystem und dieses wirkt auf
Wahrnehmung, Fühlen und Denken. Das führt zur Innervation, d. h. der
Versorgung mit Nervenreizen der Organe und zur Steuerung der
Skelettmuskulatur. Das motorische Handeln wirkt auf die Umwelt und
diese wiederum auf die Sinnesorgane. Setzen wir Spiegel ein, haben wir
eine Rückmeldung, die einfach und präzise ist, spiegelt sie doch physische
und psychische Vorgänge wieder.
Eine schöne Reflektion: Das Pferd als Partner integriert und rehabilitiert.

Merzig-Fitten, den 3.9.2015
Ingrid Hartge